Das Hall of Fame Wochenende 2017

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Die neue Spielzeit beginnt traditionell mit dem Hall of Fame Wochenende der NFL: die verdientesten Spieler, Trainer und Funktionäre werden nach einem peniblen Ausleseprozess im Februar bekanntgegeben und am ersten Augustwochenende in die Ruhmeshalle in Canton / Ohio aufgenommen. Jeder bekommt am Samstag ein goldenes Jackett, eine Büste und darf sich von einem Redner loben lassen und selbst ein paar (meistens zu viele) Takte sprechen.

Das Spiel

In diesem Jahr wurden die Dallas Cowboys und die Arizona Cardinals ausgewählt, das prestigeträchtige, aber sportlich wertlose, Spiel zu bestreiten. Üblicherweise werden zwei Teams bestimmt, aus deren Organisation jemand in die Hall of Fame aufgenommen wird und dieses Jahr bildete hier keine Ausnahme: von den Dallas Cowboys wurde jetzt Owner Jerry Jones aufgrund seiner vielfältigen Verdienste um die Liga diese Ehre zuteil und bei den Arizona Cardinals (ex-NFL Europe) Quarterback Kurt Warner.

Einen ausführlichen Spielbericht von mir zu der Partie gibt es hier: football-aktuell

Ausgetragen wurde die Begegnung im runderneuerten „Tom Benson Hall of Fame Stadium“:

Birdseye aerial shot Canton Hall of fame NFL

Im Vorjahr musste das Spiel kurzfristig abgesagt werden, weil die Farbe der Logos auf dem Feld die Gesundheit der Spieler gefährdete (kann man sich nicht ausdenken!); in diesem Jahr wurde dementsprechend nichts dem Zufall überlassen.

Die Cowboys gewannen mit vielen unbekannten Spielern gegen die ähnlich schwach aufgestellten Arizona Cardinals mit 20:18 (die namhaftesten Nicht-Teilnehmer: Dak Prescott, Ezekiel Elliott, Dez Bryant, Jason Witten, Carson Palmer, Larry Fitzgerald, David Johnson).

Die Aufgenommenen

Die Vorstellung der neu aufgenommenen sieben Personen überlasse ich in Bild und Ton dem mit Abstand besten Kommentatorenduo im American Football Al Michaels und Chris Collinsworth (sorry Roman Motzkus und Co):

Von mir ein paar Ergänzungen, nachdem ich mit einer Ausnahme auch wirklich alle spielen (bzw. fungieren) gesehen habe:

 

Kurt Warner

Der amerikanische Traum in Reinkultur: vom Tellerwäscher (Supermarkt Plastiktüteneinpacker) zum Super Bowl Champion und Multimillionär.

Er spielte in der NFL Europe für die Amsterdam Admirals, schaffte es dann in den Kader der St Louis Rams und bildete dort mit RB Marshall Faulk (bereits in die Hall of Fame aufgenommen) und den Wide Receivern Isaac Bruce und Torry Holt unter Coach Dick Vermeil die „Greatest Show On Turf“. Punkte en masse und ein wirklich attraktiver Offensivfootball machten das Zusehen zur Freude.

Anschließend erlebte die Karriere 2004 einen Knick, als er bei den New York Giants (für Eli Manning) auf die Bank musste. Im Anschluss wurde seine Karriere von 2005-2009 bei den Arizona Cardinals, die er 2008 sensationell in den Super Bowl führte, wiederbelebt. Den Super Bowl verlor man letztlich auch „dank“ sehr fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen knapp gegen die Steelers.

Warner überzeugte nicht nur auf dem Platz, sondern vor allem auch mit vielen karitativen Veranstaltungen und Organisationen abseits des Feldes. Ein überragender Sportsmann.

Kenny Easley

Den habe ich nicht spielen sehen, was vorwiegend daran liegt, dass ich noch (knapp) unter 60 bin. Er ist der obligatorische Veteran, der separat bestimmt wird aus dem Pool der vielen übergangenen Footballrentner.

Irgendwie machte er bei jeder Einblendung und im Interview immer den Eindruck, als ob er sauer gewesen wäre. Wahrscheinlich hat es ihm zu lange gedauert, bis auch er berücksichtigt wurde.

Jerry Jones

Er hat seit dem Kauf der Cowboys Ende der 80er dafür gesorgt, dass die NFL zu dem gigantischen Wirtschaftsunternehmen wurde, das es jetzt ist, und die Fernsehgelder in Milliardenhöhe eintrudeln. Trotzdem ist er mehr als umstritten und erst recht auch seine Aufnahme in die Hall of Fame.

Er führt die Cowboys – laut Forbes der wertvollste Verein des Planeten mit einem Wert von 4,2 Milliarden Dollar – als Familienunternehmen: seine beiden Söhne Stephen (sportlicher Leiter) und Jerry Jr. (Marketing) sowie Tochter Charlotte (Vizepräsidenten) sind fest in der Führung eingebunden.

Da es der NFL aber gerne mal in erster Linie um Geld geht, kann man die Aufnahme absolut nachvollziehen.

Er trug übrigens passend zum Jackett designete Schuhe, die er von Phil Knight (Nike Boss) geschenkt bekommen hatte:

 

LaDainian Tomlinson

Für mich der beste Running Back, den ich selbst spielen gesehen habe (noch vor z.B. Emmitt Smith oder Adrian Peterson). Egal ob mit Läufen oder gefangenen Pässen – irgendwie hatte er nach jedem Spiel gefühlt 3 Touchdowns.

Er allein machte die Chargers immer gefährlich (einfach mal bei Peyton Manning nachfragen) und wenn man gegen ihn im Fantasy Football antrat, hatte man meistens bereits verloren.

Er blieb an diesem Wochenende loyal zu seinen „Chargers“ und vermied tunlichst den Ortsnamen „Los Angeles“. Außerdem hielt er eine vielbeachtete und bejubelte Rede zur politischen Lage der Nation, die ihm wohl die wenigsten zugetraut hätten.

Jason Taylor

Ein Modellathlet, wie er im Buch steht. Bei dem langjährigen Dolphin sah alles immer elegant aus, was sicher auch erklärt, wieso er „Dancing with the stars“ gewinnen konnte.

Vermutlich hätte es das nicht gebraucht, aber Tom „GOAT“ Brady schrieb sogar einen Brief an die Mitglieder des Auswahlkomitees, um für Taylors Aufnahme zu werben:

Einer meiner Lieblingsspieler, den ich auch zwei Mal live sehen durfte (einmal gegen Tom Brady, aber da hatte er in der Spygate-Revenge-Saison 2007 beim 28-49 nichts zu bestellen).

Morten Andersen

Er ist halt Kicker. Aber wenn es von denen einer verdient hat, dann Adam Vinatieri. Und anschließend kommt gleich Morten Andersen, der auch mit 65 und Bierbauch noch spielte ähem kickte.

Der beste Scorer aller Zeiten der NFL (Vinatieri fehlen noch 166 Punkte, was durchaus machbar ist ohne Verletzungen) darf halt irgendwie auch nicht fehlen in der Ruhmeshalle.

Terrell Davis

Seine Wahl war trotz der Diskussionen um Jerry Jones wohl die umstrittenste: aufgrund einer katastrophalen Knieverletzung war seine Karriere sehr kurz und wirklich überragend waren wiederum nur 3 Jahre.

Dafür spielte er in den Playoffs jeweils überragend mit einem Schnitt von über 142,5 Yards pro Spiel.

Letztendlich hat das gereicht und der Rest wird ihm egal sein.

Ich kenne ihn vor allem aus diesem Clip, der beim Sender NASN (oder ESPN America – jedenfalls vor etlichen Jahren) in der Dauerschleife lief. Ich kann trotzdem immer noch darüber lachen:

Ein Trash Talker vom Feinsten.

Die Büsten

Büsten Canton NFL

Die neu aufgenommenen Spieler erhalten hier in der Hall of Fame ebenfalls ihre Plätze – beziehungsweise natürlich ihre Büsten.

Der großartige John Madden (der es als Spieler, Trainer und „Influencer“ aufgrund der Videospielreihe jeweils geschafft hätte) meinte einmal, dass „sich die Büsten unterhalten, wenn die Lichter ausgehen.“ Irgendwie eine schöne Vorstellung angesichts der Menge an großartigen Menschen rund um die NFL in der Hall of Fame.

Die Zeremonie

Wie bereits erwähnt gibt es am Samstag das Event, bei dem den „Neuzugängen“ das goldene Jackett überreicht wird. Für mich das Highlight war die Aufnahme von LaDainian Tomlinson und seine Reaktionen / Emotionen. Die NFL hat das mit Rich Eisen hervorragend in Szene gesetzt:

Ansonsten dauerte die Veranstaltung wie immer zu lange: Alles in allem verschlang der offizielle Teil deutlich über 5 Stunden.

Das Fazit

Die NFL schaffte es wieder einmal, ihren verdienten Spielern und „Einflussnehmern“ einen würdigen Rahmen zu bereiten. Von kleineren Schönheitsfehlern abgesehen, war es wieder einmal ein hervorragender Auftakt für die neue Saison und machte Appetit auf mehr.

Denn damit gibt es jetzt wieder jeden Sonntag NFL-Football bis Anfang Februar. Viel Spaß damit!

Danke wieder mal an @kein_sitzmoebel vom RANDBREITENverlag fürs Korrekturlesen!

 

 

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