Saisonvorschau Jacksonville Jaguars 2017

Die letzte Lombardi Trophy:

Bei den Jacksonville Jaguars handelt es sich – wie bei den Panthers und Texans – auch um eine Expansion-Franchise (seit 1995); sie sind noch ohne Titel.

Abgänge:

Die wieder einmal enttäuschende Saison forderte eine Reihe Opfer: Head Coach Gus Bradley kam in 62 Spielen auf katastrophale 14 Siege und wurde folgerichtig entlassen.

Dazu musste der „Tight End der Zukunft“ Julius Thomas innerhalb Floridas zu den Dolphins umziehen (ein sehr teures Missverständnis für die Jaguars), Left Tackle Kelvin Beachum zu den Jets und mit DE Jared Odrick, LB Dan Skuta sowie den Defensive Backs Jonathan Cyprien und Davon House gleich 4 Verteidiger ihre Spinde räumen.

Zugänge:

Der wohl beste Zugang dürfte der alternde Calais Campbell (zuvor Arizona) sein, der Tonnen Leadership mit zu den Jaguars bringt. Das fehlte ihnen nämlich bisher in jeder Saison.

Teurer war jedoch Free Agent Cornerback A.J. Bouye, der ein sehr gutes Jahr 2016 bei den Texans in einen goldenen Vertrag bei den Jaguars ummünzte. Vor der Saison 2016 kannte den außer seiner Familie kaum jemand; dann gab es eine Reihe Verletzungen in Houston und er wurde zu einem Eckpfeiler der Defense – zum Glück für ihn in seinem letzten Vertragsjahr.

Er unterschrieb einen 5-Jahresvertrag über 67,5 Millionen (realistischerweise bekommt er für die ersten beiden Jahre 27 Millionen und danach könnte Schluss sein).

Zusammen mit Jalen Ramsey auf der anderen Seite sollte das AUF DEM PAPIER eines der besten Cornerbackduos der Liga sein.

Draft:

In Runde 1 nahm man sich ein Beispiel an den Dallas Cowboys im Vorjahr und verpflichtete den anerkannt besten Running Back mit Leonard Fournette (LSU) an Position 4. Allerdings wird seine O-Line wohl um Längen schlechter sein, als die von Americas Team und der Vergleich daher von vornherein hinken.

Um die O-Line etwas stabiler zu machen, legte man in Runde 2 dann mit Cam Robinson (Alabama) einen Left Tackle nach.

Der Star:

DEN Star gibt es nicht. Und angesichts von 14 Siegen in mehr als 3 Jahren auch zurecht nicht. Ich glaub die Jaguars sind das erste Team, wo mir wirklich keiner einfällt. Liegt aber auch daran, dass das Team nie auffällt und mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielt.

Die beiden Allens, WR Allen Hurns und Allen Robinson waren ganz brauchbar im Vorjahr. Aber beide sind bestimmt keine Stars im engeren Sinn.

Der Coach:

Nach den Gus Bradley Festspielen darf sich jetzt Doug Marrone versuchen. Überwacht von Pünktlichkeits- und Disziplinfanatiker Tom Coughlin (der vor Äonen selbst erfolgreich in Jacksonville coachte).

Mich haben Verpflichtungen von Coaches wirklich schon mehr vom Hocker gehaut als diese hier.

Mein Tip im Vorjahr: 8-8

Tatsächlich: 3-13

Es fällt schwer, das Desaster „Jaguars 2016“ in Worte zu fassen: Angesichts objektiv guter Drafts war Jacksonville in der Offseason 2016 zusammen mit den Oakland Raiders einer der ganz geheimen heißen Außenseitertipps auf mindestens Playoffs und vielleicht sogar mehr.

Das sah spätestens nach einem 0-3 Fehlstart schon hoffnungslos aus; zwischen Woche 7 und 15 verlor man dann alle 9 Spiele und war sensationell schlecht.

Das einzig Gute daran: Irgendwie interessiert das bei dieser Mannschaft keine Sau … keinen Menschen. Die Fanbase, die die Spieler auch mal zur Rechenschaft zieht, gibt es in Jacksonville quasi nicht. So dümpelt man jahraus, jahrein so dahin und wartet, ob man nicht doch irgendwann einmal nach London umzieht.

Sonne, sinnlose und überteuerte Free Agent Verträge und kein bißchen Druck – Spielerherz, was willst Du mehr?!

Die unfehlbare Prognose für 2017: 10-6

Keine Angst: Das wird nicht so kommen. Aber ich traue den Colts quasi nichts zu und der Spielplan ist leicht. Und AUF DEM PAPIER haben sie ja mit Ausnahme einer Position auch relativ gute Leute, die vielleicht wirklich einmal den Schalter umlegen könnten.

Leider ist die eine Position aber eben die des Quarterbacks: Blake Bortles spielte letzte Saison katastrophal und man hat „zwei gleichstarke Quarterbacks“ mit ihm und Chad Henne. Das alte Sprichwort schlägt hier wieder zu: „Wenn Du zwei Quarterbacks hast, hast Du keinen.“

Ich wäre kein bißchen überrascht, wenn man mit 5-11 aus der Saison geht. Es würde wohl auch wieder niemanden stören.

Die Vorschau aus Fansicht

von Markus Bury (@BuryMarkus)

Das Motto der Jaguars für die Saison 2017: #WINTODAY! Nach vier Jahren Gus Bradley haben nicht nur wir Fans genug von 3-13, 4-12 oder 5-11. Tom Coughlin und Doug Marrone sollen eine Siegermentalität in die Franchise bringen, die uns Fans seit Jahren enttäuscht.

In der Offseason war es mal wieder Zeit für den alljährlichen Jaguars-Hype: Watch out for the Jags! Von einem Playoff-Roster wird gesprochen, einer bärenstarken Defense und Talent auf beinahe jeder Position. Als Fan hört man das alles gern – es hört sich aber nur allzu bekannt an.

Schaut man sich das Roster an, dann ist es schwer, nicht auf den Hype-Train aufzuspringen. Die Defense, die bereits in der letzten Saison teils großartige Leistungen zeigte, wurde punktuell verstärkt und dürfte durch die Verpflichtungen um Calais Campbell und A.J. Bouye nur noch stärker werden. Bouye und Jalen Ramsey haben das Potenzial, zu einem der besten CB-Tandems der Liga zu wachsen. Das klingt vielversprechend.

Eine der großen Schwächen der letzten Saison war das Laufspiel. Hier hat man im Draft mit Leonard Fournette einen Spieler geholt, von dem viele Fans hoffen, dass er einer DER RBs der Zukunft ist. Das Laufspiel wird eine zentrale Rolle im Gameplan der Jags spielen, was gepaart mit einer starken Defense zum gewünschten Erfolg führen soll. Wie sehr Head Coach Marrone auf das Laufspiel setzt, verrät eine seiner Aussagen aus der Offseason. Ein perfektes Spiel, so Marrone, wäre eines, in dem er keinen einzigen Pass werfen lassen muss.

Und hier kommen wir auch schon zum größten Problem in Jacksonville: Blake “The Interception Man” Bortles. Einer der schlechtesten QBs der letzten Saison, zeigte Bortles auch in der bisherigen Vorbereitung, wozu er zu gebrauchen ist: zu gar nichts. Nicht nur bei den Fans, auch bei seinen Teammitgliedern hat er das Vertrauen endgültig verloren. Ein Beitrag auf Instagram, der sich mit möglichen Alternativen für die Jags auf der QB-Position befasst, wird von Jalen Ramsey mit „Gefällt mir“ markiert. Im Training beschwert sich Top WR Allen Robinson über die unpräzisen Pässe und wird dabei auf Video aufgenommen. Der Frust beim Team, den Fans und dem gesamten Umfeld sitzt tief. Caldwell und Co. haben der Franchise keinen Gefallen damit getan, in der Offseason keinen Plan B bereit zu halten.

Das Talent im Roster stimmt. Eine starke Defense. Ein Laufspiel mit viel Potenzial. Die Saison könnte so schön werden, die Vorfreude so groß sein – wäre da nicht das eine große Fragezeichen. Wäre da nicht die wichtigste Position im Football.


Markus ist Teil der BoldCityBrigade Germany – folgt ihm hier auf Twitter:

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Die Vorschau 2016:

Die letzte Lombardi Trophy:

Auch hier eine Expansion-Franchise noch ohne Titel.

Mein Tip im Vorjahr:

5-11 und erneut der vorletzte Platz in der AFC South.

Tatsächlich:

5-11 . Das war tipptechnisch meine Division irgendwie. Wobei ich ohne nachzuschauen auf mehr Siege getippt hätte im Nachhinein. Aber sie waren einfach zu oft früh im Spiel aussichtslos zurück.

Das Highlight der letzten Saison

Die Kombination von QB Blake Bortles und seinen Receivern Allen Hurns und Allen Robinson funktionierte teilweise richtig gut – allerdings waren die Spiele bis dahin schon des Öfteren verloren.

Ein absolutes Highlight war der „Fifty-Burger“ beim 51:16 gegen die überforderten Indianapolis Colts am 13.12.15; zur Pause lag man noch mit 9:13 im Hintertreffen, um dann mit je 3 Touchdowns in Viertel 3+4 zu explodieren.

Mein Tip für 2016:

8-8. Ich erwarte einen Dreikampf mit den Colts und den Texans um die Divisionkrone. Die Jaguars sind einer der beiden Geheimtipps vieler Experten für diese Saison. Ich bin gespannt…

 

Die Vorschau 2015 liegt auch noch rum:

 

Die Vorschau 2015:

Spitzname:

Lediglich die Kurzform „Jags“. Ansonsten sind die Jaguars das graueste Team der Liga, so dass auch keine Notwendigkeit für einen Spitznamen besteht – sie tümpeln halt so vor sich hin.

Größte Erfolge der letzten Jahre:

2005 und 2007 wurden die Playoffs erreicht. Auch schon wieder eine Weile her und ich kann mich nicht wirklich mehr daran erinnern.

Letzte Saison:

3 Siege – 13 Niederlagen

Stars der Jaguars:

Gibt es nicht wirklich. Lange war es RB Maurice-Jones Drew (Spitzname: Taschen-Herkules), der aber sein Karriereende dann in Oakland verlebte.

Obwohl die Jaguars aufgrund dauerhaft schlechter Saisonleistungen ziemlich früh im Draft ziehen dürfen, ging es kaum aufwärts.

Im Draft wurde im Vorjahr überraschend früh (an #3) QB Blake Bortles geholt; der sollte eigentlich das erste Jahr erst mal aufgebaut werden, musste dann aber aufgrund von Verletzungen ziemlich früh in der Saison ran. Und überzeugte (noch) nicht wirklich.

Anbieten für die Kategorie Star würde sich eigentlich TE Julius Thomas, der im letzten Jahr noch bei den Denver Broncos für Furore sorgte und in der Free Agency geholt wurde.

Allerdings dachte man das im Vorjahr von RB Toby Gerhart auch, der für teures Geld unterschrieb und zuvor in Minnesota als Ersatzmann für den besten RB der Liga, Adrian Peterson, gute bis sehr gute Ansätze gezeigt hatte. Die folgende Saison kann man bestenfalls als durchwachsen beschreiben.

Der Umstieg von den zentimetergenauen Pässen von QB Peyton Manning auf die zum Teil mehrere Meter neben dem Ziel landenden Würfe von Blake Bortles könnte auch bei Thomas dazu führen, dass er seinen Star-Status schnell verliert.

Coach:

Seit Januar 2013 ist Gus Bradley der Trainer der Jaguar. Man hat den Eindruck, dass die Spieler zumindest ihr Bestes geben. Aber dank des niedrigen Talentlevels ist das meistens zu wenig. Sollte er auch in diesem Jahr eine ähnliche Bilanz wie im Vorjahr erreichen, so dürfte nächste Saison ein anderer seine Chance als Head Coach bekommen.

Ziel:

Eine ausgeglichene Bilanz von 8-8 wäre sicher ein Riesenerfolg.

Kontroversen:

Eigentümer Shahid Khan versucht auch mit ungewöhnlichen Aktionen Publikum und Interesse für sein Team zu generieren, seit er das Team vor einigen Jahren gekauft hat.

So wurde vor Jahren eine Übertragung bei Hard Knocks, der Dokumentation über das Trainingscamp eines Teams, wie Sauerbier angeboten. Die Jaguars sind einfach zu graue Mäuse.

So verwundert es auch nicht weiter, dass die Jaguars schnell auf den Globalisierungszug aufsprangen und Heimspiele in London austragen. Da ist zumindest das Stadion voll – was in Jacksonville so gut wie nie der Fall ist. Sollte tatsächlich eines Tages ein Team in London installiert werden, so sind die Jaguars wohl die erste Bewerber.

WR Justin Blackmon, von dem man schon vor dem Draft eine Diskrepanz zwischen überragendem Talent und unterdurchschnittlicher Intelligenz festgestellt hatte, ist mittlerweile zum x-ten Mal wegen Drogenbesitzes suspendiert. Es ist nicht zu erwarten, dass er diese Saison aufläuft. Und sein Talent ließ er in der NFL auch nur selten aufblitzen.

Gut zu wissen:

Der Super Bowl XXXIX fand 2005 in Jacksonville statt. Auch hier gab es mehr Schatten als Licht – zum Teil fanden sich vernichtende Kommentare der dort eingesetzten Journalisten. Seitdem war nie wieder die Rede davon, einen Super Bowl in Jacksonville auszutragen.

Tip für 2015:

5-11 und erneut der vorletzte Platz in der AFC South.

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